Lars Forster
aus Rieden hat die erste Schweizer Meisterschaft im Gravel gewonnen.
Windräder könnten künftig Teil der Toggenburger Landschaft werden. Der Kanton St. Gallen hat mögliche Standorte festgelegt – ob dort tatsächlich Windparks entstehen, ist noch offen. Und nicht alle stehen der Windkraft positiv gegenüber.
Region Seit Jahrtausenden nutzen Menschen die Kraft des Windes – zunächst, um Schiffe anzutreiben oder Windmühlen in Bewegung zu setzen. Heute auch zur Stromproduktion. Damit Windräder gebaut werden können, braucht es allerdings geeignete Standorte und aufwendige Planungsverfahren. Die planerischen Voraussetzungen für Windkraftprojekte sind im Kanton St. Gallen bereits geschaffen. Mit der Genehmigung des kantonalen Richtplans durch den Bund wurden 15 Windeignungsgebiete festgesetzt. Im Toggenburg betrifft das unter
anderem Krinau, Laad und Hemberg/Alvensberg. Konkrete Bauvorhaben sind allerdings noch nicht bewilligt. Für mögliche Windparks in Krinau und Laad laufen Planungen, ein öffentliches Verfahren wurde bisher nicht eingeleitet. Ralph Etter, Leiter der Abteilung Raumplanung im kantonalen Amt für Raumentwicklung und Geoinformation, betont: «Ob und wann gebaut wird, hängt vom Ergebnis der Windmessungen, der Umweltverträglichkeitsprüfung und dem weiteren Verfahren ab.» Für die Durchführung eines kantonalen Sondernutzungsplanverfahrens sei zudem der Nachweis des nationalen Interesses nötig. Die Stromproduktionsmenge müsse jährlich mindestens 20 Gigawattstunden (GWh) betragen.
Gegen Windkraftprojekte im Toggenburg formiert sich allerdings auch Widerstand. Der Verein Älpli Gegenwind setzt sich gegen Anlagen in der Region ein. Präsident Kurt Müller kritisiert insbesondere die möglichen Auswirkungen auf Landschaft und Bevölkerung und sieht ein massives Sicherheitsrisiko. Eiswurf von den Rotoren oder Abbruch der Rotoren würde die nahegelegenen Häuser oder auch Dörfer leicht erreichen. «Das heisst, wir leben in unmittelbarer Lebensgefahr», sagt Müller. Zudem sei das Windaufkommen zu klein und Renditen würden ausbleiben. Seine Meinung: «Windkraft im Toggenburg ist abzulehnen.»
Demgegenüber verweist Patrizia Egloff, Präsidentin von «enegietal toggenburg», auf das Potenzial der Windenergie. Die Windenergie sei einer der Bausteine der lokalen und erneuerbaren Energieversorgung und sie mache einen bedeutenden Teil aus. Windprojekte würden ausschliesslich in den ausgewiesenen Windeignungsgebieten geplant und diese hätten eine hohe Relevanz für das Autarkieziel. «Jede zusätzlich in der Schweiz produzierte Kilowattstunde erneuerbarer Energie stärkt unsere Versorgungssicherheit. Mit Windenergie aus der Region investieren wir in unsere Unabhängigkeit, unsere Wirtschaft und in eine nachhaltige Zukunft», sagt Egloff. Sie betont auch, dass eine zuverlässige Stromversorgung die Grundlage für Wohlstand, eine starke Wirtschaft und Lebensqualität sei. Genauso wie Wasserkraftwerke, Stromleitungen oder weitere Versorgungsanlagen gehöre auch die Windenergie zur Energieinfrastruktur. «Es geht für uns nicht um eine Abwägung zwischen Landschaftsschutz oder Windkraft, sondern um eine gute Umsetzung von Windkraftanlagen inmitten unserer schönen Landschaft.»
«Kritische Stimmen gehören zu einem demokratischen Planungsprozess dazu», sagt Etter. Der Kanton nehme sie ernst und behandle alle Eingaben nach denselben Regeln. Ausserdem sei das Verfahren zum kantonalen Sondernutzungsplan so gestaltet, dass sich alle Betroffenen einbringen könnten. «Energietal toggenburg» werde im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens eine aktive Rolle als Dialog-Plattform prüfen. Dabei sei die breite und vor allem lokale Bevölkerung die primäre Zielgruppe. «Wir sind absolut bereit, mit allen zusammenzuarbeiten, die einen Austausch und eine gemeinsame Lösung finden möchten», sagt Egloff.
Carmen Beck
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