Werner Knaus
freut sich als Co-OK-Präsident des Bergrennens Hemberg auf die 13. Ausgabe.
Am 21. Mai feiert die letzte Chössi-Produktion, vor dem Umbau der Bahnhalle in Lichtensteig, Premiere. «Spind’l… Sp’ich’r… Still» heisst das Stück, das sich der «gefallenen» Mädchen von Dietfurt annimmt.
Lichtensteig «Es ist ein krasses Thema», sagt Regisseur Simon Keller während der Proben zu der Chössi-Eigenproduktion. Lange habe er sich mit den Geschichten der Mädchen und jungen Frauen beschäftigt. Durch eine Fernsehdokumentation sei er auf die Machenschaften rund um Emil Bührle aufmerksam geworden. Mindestens 300 junge Frauen verfrachtete die Fürsorge in den 1940er- bis Ende der 1960er-Jahre nach Dietfurt in die Spinnerei des Waffenhändlers und reichsten Schweizer Bührle. Den Lohn für ihre Arbeit haben sie nie erhalten, gelebt haben sie im fabrikeigenen Marienheim. Sie wurden aus ihren Familien genommen, ihrer Jugend beraubt. Was haben sie gefühlt, wie sind sie zurechtgekommen, was haben die Einheimischen über sie gewusst? Fragen über Fragen haben Simon Keller seither beschäftigt und er entschied sich, darüber ein Stück zu machen. Dass das Chössi für dieses Jahr eine Eigenproduktion plante, kam ihm gerade recht: eine Toggenburger Geschichte mit regionalem Bezug.
Alexander Stutz, mit dem Schauspieler und Regisseur Keller schon oft zusammengearbeitet hat, war von der Idee überzeugt und hat sich dem Stoff angenommen. Nach einem halben Jahr war ein 200-seitiges Skript das Ergebnis seiner intensiven Recherchearbeiten. Schwere Kost, kann man das den Zuschauern zumuten? Nein. Es musste gekürzt werden, aufmunternde Szenen eingebaut werden. «Nichts wäre schlimmer, als wenn die Leute mit bedrückter Stimmung das Theater verlassen», so Simon Keller. Die Mädchen haben auch schöne Momente miteinander erlebt, das soll auch das Publikum spüren. Bei der Vorstellung des Themas und der intensiveren Auseinandersetzung mit der Geschichte sind auch Tränen geflossen, weiss Simon Keller. Zwölf Schauspielerinnen und Schauspieler – alles Laien – werden auf der Bühne sein. Einige habe schon bei anderen Produktionen des Chössis mitgewirkt, andere sind das erste Mal dabei. Das Stück entwickelt sich während der Proben und mit den Anweisungen des Regisseurs. Am Ende ist es ein Miteinander, weiss Keller.
Für das Bühnenbild oder besser die Projektionen ist Thomas Mahnecke zuständig. Schon seit vielen Jahren arbeitet der Künstler mit dieser Art der digitalen Bilddarstellung. «Es ist ein Riesenaufwand, den wir betreiben», findet er, «das wurde in der Form so noch nie gemacht.» Am Ende werden die Zuschauer eine Mischung aus Darstellung, Livemusik und beeindruckenden Bildprojektionen erleben. Wie nehmen wir Dinge wahr? Was passiert, wenn ein rationales Ereignis auf Emotionen trifft? Keller und Mahnecke sind gespannt, wie das Zusammenspiel am Ende beim Publikum ankommt. Bisherige Äusserungen über das Thema gehen weit auseinander. Einige sind der Meinung, dass man über das Thema der Zwangsarbeiterinnen nicht sprechen sollte, es ist ja vorbei. Andere wieder finden es wichtig, dass es endlich erzählt wird und dann noch an einem Ort im Toggenburg.
Die Entwicklung des Stücks schreitet voran. Gerade sei man dabei, alle Elemente aufeinander abzustimmen, so Simon Keller. Ein letztes intensives Probewochenende steht noch an, bevor «Spind’l… Sp’ich’r… Still» Premiere feiert. Und dann werde auch eine Zeitzeugin anwesend sein. Irma Frei war dreiJahre in Dietfurt untergebracht. Ihre Erinnerungen seien Teil des Stücks. Keller ist gespannt, wie es bei ihr ankommt. ⋌hem
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