Sina Ziegler
aus Kaltbrunn absolvierte ihre erste Langdistanz am Ironman Switzerland in Thun.
In einer Werkstatt im Dorf Necker können Menschen jedes noch so verrückte Selbstbauprojekt verwirklichen. Möglich macht das der Schreiner und Werklehrer Thomas Steiner.
Wöchentlich empfängt Thomas Steiner Leute mit Ideen im Kopf. Einige können ihre Wünsche gut beschreiben oder bringen sogar eine Vorlage für ihr Selbstbauprojekt mit. Andere treibt lediglich eine wage Vorstellung an seinen Beratungstisch. Tome Stone, wie sich der 50-jährige Holzspezialist selbst nennt, hat sich vor ein paar Jahren an der Hauptstrasse in Necker ein Haus samt grossräumiger Werkstatt gekauft. Er kam von «ennet em Ricke» ins Toggenburg und hat hier nebst neuen Kontakten auch eine berufliche Passion gefunden. Er macht nämlich nichts lieber, als Menschen beim Handwerken mit Fantasie und Fachkunde zu unterstützen. Tom Stone, die amerikanisch anmutende Übersetzung seines Namens passt zu seiner lebensfrohen Art. Herzlich und locker empfängt er die Besuche in seinem Einmannbetrieb: «Und wird ein neues Projekt an mich herangetragen, ist es nach 60 Sekunden auch mein Projekt», sagt er und grinst breit. Je weniger eindeutig Kursteilnehmende eine Idee formulieren, desto kreativer und wichtiger seien die Entwicklungsstufen bis zum fertigen Projekt. «Oft entsteht etwas ganz anderes als ursprünglich gedacht», sagt Thomas Steiner. Er lacht gern und liebt den intensiven Austausch. Was ihn bei Erstgesprächen mit den Selbstbau-Klienten immer wieder erstaune: dass sich die meisten Leute unterschätzten und sich anfangs nur wenig handwerkliches Geschick zutrauen, auch nicht, wenn es nur um etwas einfacheres wie etwa einen kleinen Salontisch handle. Falls von Kursteilnehmenden gewünscht, ist Tom Stone auch bei der Beschaffung von Rohmaterial behilflich.
Im Gemeinschaftsraum sind die Schubladen eines weissen Möbels mit den Vornamen aller Hobbyhandwerker und -handwerkerinnen beschriftet. In den Schubladen lagern sämtliche Notizen und Dokumente zu den jeweiligen Projekten. Hier steht auch die Kaffeemaschine und es liegen Schöggeli auf dem Besprechungstisch. Das Ambiente ist gemütlich und Haushund Hobbit holt sich in den Pausen seine Streicheleinheiten bei den Gästen. Der Weg von der Theorie der Notizen zur handwerklichen Praxis führt stets vom langen Holztisch um zwei Ecken in die Werkstatt. Dort gibt es eine Reihe von Fräsen, Drehbank, Hobelmaschine, an Wänden hängen reihenweise Schraubzwingen. Die nötige Infrastruktur ist mit professionellen Werkzeugen und Maschinen ausgestattet, die er nun allen Kursteilnehmenden zur Verfügung stellt
Vor kurzem war auch eine IT-Firma in seiner Werkstatt. Als Team bauten sie an einem Tag einen Leuchtturm. Der übermann grosse Turm hat, wie es sich gehört, ein richtiges Drehlicht und wird an einer Messe sicherlich für aufsehen sorgen. Mit einem Catering wurden die Mitarbeiter dann auch noch kulinarisch verwöhnt. Selbstverständlich bauen nicht alle einen solchen Leuchtturm. Mit den Firmen oder Verein-Team wird geschaut, was zum Team und der Firma passt und was auch in der Werkstatt möglich ist, zu bauen.
«Bei mir ist fast alles erlaubt, ausser das Wort Basteln. Ich bestehe auf den Begriff Bauen», sagt Thomas Steiner. Obschon er vor allem ein Holzspezialist ist, hat er den Betrieb um eine professionelle Metallwerkstatt erweitert und selber an den Maschinen geübt. In einem abtrennbaren Bereich wird nun gefräst, geschweisst und gelötet. Er ist überzeugt, dass ein selbstgemachtes Möbel viel länger Freude bereitet als etwas Gekauftes. Und ein bisschen hoffe er ja auch, dass durch die eigene Arbeit realisiert wird, wie viel Aufwand hinter einem Produkt steckte, auch dann, wenn es aus industrieller Herstellung stammt. ⋌pd
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