Cathrin Zimmermann
vom Tierheim Nesslau spricht über Tiere als Weihnachtsgeschenke.
In seiner neuen Ausstellung am 29. und 30. November präsentiert der 82-jährige Künstler Walter Grässli seine Zeichnungen zu Franz Schuberts berühmtem Liedzyklus «Die Winterreise».
Wattwil Walter Grässli zeigt die in den Jahren 2008 und 2009 entstandenen Bleistiftarbeiten in der Galerie Bunt an der Wilerstrasse in Wattwil. Die Winterreise, die Franz Schubert nach Gedichten von Wilhelm Müller komponierte, ist für Grässli mehr als ein musikalischer Meilenstein. Sie ist ein persönlicher Lebensbegleiter. Bereits als Zehnjähriger hörte er erstmals Musik von Schubert, und seither hat ihn die Faszination nicht mehr losgelassen. Heute besitzt er rund hundert Aufnahmen des Zyklus. «Ich wollte diese Lieder irgendwann zeichnen»,erinnert er sich. Was zunächst als Skizzen begann, wurde schlussendlich zu einem Zyklus aus 24 ausgewählten Bleistiftzeichnungen.
Grässlis Bleistiftzeichnungen sind keine blossen Illustrationen zu Schuberts Liedern, sondern ein Blick in seine eigene Vergangenheit. Immer wieder tauchen Fragmente aus Werdenberg auf, wo der Künstler aufgewachsen ist. «Das Malen war für mich eine Reise nach innen und zurück in meine Kindheit», so Grässli. Die Technik ist ebenso zurückhaltend wie präzise: Ein einziger Grauton entsteht aus bis zu zehn übereinander gelagerten Schichten. «Man darf das Blatt beim Zeichnen mit der Bleistiftspitze fast nicht berühren.» Während des Arbeitens hörte er unzählige Winterreise-Interpretationen – allerdings nicht Lied für Lied passend zum Motiv, sondern den Stimmungen folgend. «Ich malte, was mich bewegt, nicht das Gedicht.» Obwohl für den Künstler jedes Lied je nach Tagesform eine andere Bedeutung gewinnt, sind ihm drei besonders wichtig: «Gute Nacht», «Frühlingstraum» und «Der Leiermann». Sie nehmen im Zyklus eine Sonderstellung ein, da sie an der Vernissage als einzige Lieder gesungen und – das ist aussergewöhnlich – mit Gitarre begleitet werden. Diese persönliche Bindung zur Winterreise steht in starkem Kontrast zu den Reaktionen, die Grässli auf sein Schaffen erhält. In der Schweiz fühlt er sich manchmal wie «ein Prophet im eigenen Land». Kritiker werfen ihm vor, nicht aktuell zu sein. Doch das will er auch gar nicht: «Ich möchte ursprünglich malen – und Farbe an den Händen haben.» In Deutschland hingegen erfährt Grässli grosse Anerkennung und wird dort in einfühlsamen Texten gewürdigt.
Grässlis Zeichnungen zur Winterreise stehen im Fokus seiner Ausstellung am 29 und 30. November, auch wenn sie schon vor fast 20 Jahren gezeichnet wurden. «Ich möchte zeigen, was in Wattwil entstanden ist», erklärt Grässli diesen Entschluss. Er wolle keine Bewunderung seiner Person, sondern Respekt für die Arbeit selbst. «Ich weiss auch, dass die Winterreise nicht für jeden etwas ist», sagt Grässli. Schuberts Musik sei speziell, und nicht für jeden Geschmack. «Aber ich bin auch nicht wie andere – warum sollte ich es also bei meinen Zeichnungen sein?»
Die Ausstellung umfasst neben den Winterreise-Zeichnungen auch neue Werke aus den Jahren 2024 und 2025 sowie Beispiele aus seinem langen Forschen zu Farbe und Wahrnehmung. Gleichzeitig erscheint eine limitierte Publikation zu den Winterreise-Bildern.
⋌shs
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