Cathrin Zimmermann
vom Tierheim Nesslau spricht über Tiere als Weihnachtsgeschenke.
Die Ortsgemeinde Kappel war bisher hauptsächlich für die Wald- und Alpwirtschaft zuständig. Mit dem Kauf der Villa Steinen im vergangenen Jahr hat sich das jedoch geändert. Im Interview spricht Niklaus Amacker, Präsident der Ortsgemeinde, über aktuelle Vorhaben, Herausforderungen und Ziele für die Zukunft.
Niklaus Amacker, wie kamen Sie zu Ihrer Position als Präsident der Ortsgemeinde Kappel?
Ich bin in Ebnat-Kappel aufgewachsen, habe eine Zeit lang woanders gelebt und bin dann wieder in mein Elternhaus zurückgezogen, wo ich heute mit meiner Tochter wohne. Der Ortsverwaltungsrat hat mich damals angefragt, ob ich an einem Strategieworkshop mitarbeiten möchte. Zunächst war ich danach als Beisitzer bei den Verwaltungsratssitzungen dabei, 2021 durfte ich dann das Amt des Präsidenten übernehmen – und ich bin sehr glücklich damit. Es ist für mich persönlich eine grosse Bereicherung und gibt mir unglaublich viel zurück.
Vor welchen Herausforderungen steht die Ortsgemeinde Kappel?
Da gibt es einige. Zum einen sorgt die zunehmende Bürokratie von Bund und Kanton für immer höhere zeitliche und finanzielle Aufwände in der Verwaltung. Da wir im Milizsystem arbeiten, wird es dadurch immer schwieriger, genügend Freiwillige zu finden und ihr Engagement langfristig zu sichern. Zum anderen verändern sich die gesellschaftlichen Bedürfnisse stetig. Bürger und Bürgerinnen, die in städtischen Gegenden wie zum Beispiel Wil arbeiten, haben kaum noch Bezug zur Arbeit der Ortsgemeinde. Hier versuchen wir, ein Bindeglied zwischen der Wald- und Alpwirtschaft und der Bevölkerung zu schaffen.
Und wie soll dieses Bindeglied aussehen?
Unser zentrales Projekt ist derzeit die Weiterentwicklung der Villa Steinen, die wir im vergangenen Jahr erworben haben. Es soll ein «Haus der Landschaft» entstehen – ein Ort, an dem sich Akteure der Landschaft, einschliesslich Land- und Forstwirtschaft, Tourismus, Naturschutz und Landschaftsarchitektur treffen und austauschen können. Der Dialog zwischen diesen Bereichen kommt derzeit zu kurz. Die Villa soll diesen Austausch fördern und gleichzeitig unsere Arbeit für die Bevölkerung sichtbarer machen. Dank ihrer Lage ist sie gut wahrnehmbar – wir setzen uns aktiv dafür ein, dass sich wieder mehr Menschen für die Ortsgemeinde und deren Leistungen für die Allgemeinheit interessieren.
Welche weiteren Projekte stehen an?
Wir haben eine Alpentwicklungsplanung für die Jahre 2023 bis 2038 erstellt. Dabei geht es darum, was wir in den folgenden Jahren mit den Alpen machen: Welche Tiere wollen wir halten? Wie sanieren wir? Welche Bedürfnisse müssen wir künftig berücksichtigen? Konkrete Ideen sind entscheidend, um die Alpen langfristig zu erhalten und weiterzuentwickeln.
Arbeiten Sie bei Ihren Vorhaben auch mit der Politischen Gemeinde Ebnat-Kappel zusammen?
Ja, die Zusammenarbeit mit der politischen Gemeinde ist sehr wichtig, gut und wird auch gepflegt. Ein konstruktiver Austausch ist entscheidend, um Synergien zu nutzen und die Entwicklung der gesamten Region gemeinsam zu fördern. Die politische Gemeinde unterstützt beispielsweise das «Haus der Landschaft» ideell und, wo möglich und sinnvoll, auch materiell. Trotz dieser Unterstützung habe ich den Eindruck, dass unser ehrenamtliches Engagement und unsere Leistungen für die Allgemeinheit in der Öffentlichkeit zu wenig wahrgenommen werden. Daran müssen wir – gestützt durch den Rückhalt der politischen Gemeinde – verstärkt arbeiten und aktiv auf unser oftmals zu stilles Schaffen und wirken hinweisen.
Was sind Ihre langfristigen Ziele für die Ortsgemeinde?
Mir ist es wichtig, die einzigartige Identität der Ortsgemeinde zu erhalten und zu stärken. Ich möchte dazu beitragen, dass die Ortsgemeinde ein lebendiger und wertgeschätzter Teil des Dorfes bleibt, der das Gemeinschaftsleben noch aktiver mitgestaltet. Dazu gehört die Förderung des freiwilligen Engagements, die Pflege von Traditionen und eine nachhaltige Nutzung der vorhandenen Ressourcen zum Wohle aller Einwohner. Denn diese bewusste Pflege von Werten und Gütern stärkt die Identifikation der Einwohner mit dem Dorf. Unsere Landschaft mit Alpen und Wäldern soll auch für kommende Generationen erhalten bleiben.
Shannon Senn
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