Cathrin Zimmermann
vom Tierheim Nesslau spricht über Tiere als Weihnachtsgeschenke.
Die Saison 2025 war für Ramona Forchini ein Kapitel voller Wendungen, Neuerungen und eindrucksvoller Erfolge. Nach einem turbulenten Jahresbeginn fand die Toggenburgerin rasch zurück zu ihrer gewohnten Stärke – und zeigte einmal mehr, warum sie zu den kämpferischsten Fahrerinnen im internationalen Cross-Country-Zirkus gehört.
Toggenburg Eigentlich hätte das Jahr für Forchini und vier weitere Athleten in einem neuen Mountainbike-Team beginnen sollen – ein vielversprechendes Projekt, das frischen Schwung bringen sollte. Hinter dem Projekt stand der ehemalige Radprofi Pirmin Lang, zuständig für die sportliche Leitung, während Saki Tzikas die Sponsorensuche leitete. Mit der Supermarktkette Spar schien ein Hauptsponsor gefunden, doch eine verbindliche Zusage lag nie vor – Ende Januar 2025 musste Lang das Team wegen fehlender Mittel auflösen.
«Was für ein riesiges Luftschloss! Dass die Verantwortlichen im Herbst 2024 bereits Fahrer unter Vertrag nahmen, ohne dass überhaupt ein Sponsor fix im Boot ist, ist absolut unverständlich», sagt Forchini rückblickend. «Dass uns dieses grosse Problem bis zuletzt vorenthalten wurde, ist noch viel schlimmer. Dieses Debakel kostete uns beinahe unsere Karriere.» Ende Januar stand die 30-Jährige plötzlich ohne Team da – zu einem Zeitpunkt, an dem alle anderen längst ihre Saisonvorbereitung begonnen hatten. «Das war ein harter Schlag ins Gesicht und kam zu einem absolut ungünstigen Zeitpunkt», erzählt sie offen.
Doch Forchini hat einen Weg gefunden. Kurz nach diesem Debakel erhielt sie einen Platz im BIXS Performance Race Team – einem der professionellsten Schweizer Mountainbike Teams, das zu den zehn besten der Welt zählt. Trotz voller Teambesetzung nahmen sie die Toggenburgerin auf – ein deutliches Zeichen von Glauben und Wertschätzung in ihre Fähigkeiten. «Dass sie mich aufgenommen haben, ist alles andere als selbstverständlich und war für mich ein riesiges Zeichen von Vertrauen», sagt Forchini dankbar. Eine finanzielle Entschädigung war dabei beidseits von Anfang an kein Thema. «Ich hatte gar keine Wahl, die Teambudgets sind zu diesem Zeitpunkt alle aufgeteilt. Wenn ich weiterfahren wollte, musste ich diese Saison ohne Entgelt bestreiten. Ich habe das als Investition in meine sportliche Zukunft gesehen.» Die unerwartete Teamsituation kostete die Toggenburgerin zwar das Jahresgehalt, doch der Gewinn war weit wertvoller: ein Umfeld, das an sie glaubt, das vollen Einsatz zeigt und gemeinsam wachsen will. Die klare Struktur, die eingespielten Abläufe und das harmonische Umfeld bei BIXS gaben ihr genau den Rückhalt, den sie nach dem Chaos zu Saisonbeginn brauchte.
Was danach folgte, war eine Saison, die sich sehen lassen kann. Fünf internationale Siege, zwei Cup-Gesamtsiege in beiden nationalen Serien und zwei Medaillen bei Europa- und Weltmeisterschaften. Auch im Weltcup mischte Forchini regelmässig vorne mit. Sechsmal klassierte sie sich in den Top 11, darunter ein viel beachtetes Podium in Leogang (Österreich) – ein Resultat, das ihre Rückkehr in die absolute Weltspitze unterstrich. Ein emotionaler Höhepunkt war die Heim-Weltmeisterschaft in Crans-Montana im September. Vor begeistertem Publikum zeigte die Toggenburgerin eine starke Leistung und beendete das Rennen als zweitbeste Schweizerin auf Rang acht.
Am Ende der Saison steht Forchini auf Rang 9 der Weltrangliste – so gut platziert wie noch nie. «Ich habe gezeigt, dass ich vorne mitfahren kann», resümiert sie zufrieden. «Jetzt möchte ich genau dort anknüpfen und mich weiter verbessern.» Mit ihrer Bodenständigkeit, Erfahrung und neuem Teamrückhalt geht Ramona Forchini gestärkt aus dieser Saison hervor. «Ich bin unheimlich froh, dass alles so hat kommen müssen und ich nun mit BIXS ein neues Zuhause gefunden habe», so Forchini. Das Jahr hat ihr gezeigt, dass Rückschläge auch Chancen sein können – und dass echte Klasse sich gerade dann zeigt, wenn der Weg steinig wird.
⋌shs
Lade Fotos..