Marco Fischbacher
beendet seine Profikarriere als Rennskifahrer und konzentriert sich auf sein Studium.
Wenn am Donnerstagabend in der Turnhalle Eschenbach grosse Fahnen durch die Luft wirbeln, dann trainiert die Fahnenschwinger-Vereinigung Linthgebiet. Einer, der schon seit Jahrzehnten mit dabei ist, heisst Werner Blöchlinger.
Eschenbach Die Fahnenschwinger-Vereinigung Linthgebiet ist ein kleiner, familiärer Verein, in dem Kameradschaft grossgeschrieben wird. «Bei uns trainieren Leute zwischen 14 und 76 Jahren – und selbst wer nicht mehr aktiv schwingt, schaut immer wieder vorbei», sagt Werner Blöchlinger. Humor, Zusammenhalt und der Austausch zwischen Jung und Alt sind genauso wichtig wie die Freude an der traditionsreichen Sportart. Blöchlinger ist seit gut 30 Jahren Mitglied des Vereins – und das Fahnenschwingen lässt ihn seither nicht mehr los. «Nach der RS habe ich einen Anfängerkurs gemacht – und bin einfach dabeigeblieben», erzählt er.
Trainiert wird jeden Donnerstagabend. Während sich der technische Leiter Christian Sonderegger besonders um den Nachwuchs kümmert – aktuell sind zwei Teenager mit dabei – üben die anderen ihre Schwünge, Zuwürfe oder Duett-Programme. Vor Wettkämpfen wird der Fokus stärker auf die Einzelvorträge gelegt, um eine Wettkampfsituation zu simulieren und die Nervosität zu trainieren. Zum Abschluss steht jeweils eine Vereinsübung auf dem Programm, die aus gemeinsam ausgeführten Schwungabfolgen besteht. Nach dem Training gehen alle noch gemeinsam etwas trinken, um den Abend gesellig ausklingen zu lassen. Der Gemeinschaftsgedanke zeigt sich auch beim Fahnenschwingen selbst: Obwohl es grundsätzlich eine Einzelsportart ist, fiebern alle miteinander mit. «Ich leide manchmal fast mehr, wenn jemand anderes einen Fehler macht, als wenn mir selbst einer passiert», gibt Werner Blöchlinger zu. Genau dieser Zusammenhalt mache den Verein besonders.
Ein Highlight sind stets die Wettkämpfe. Dabei werden die Teilnehmenden von drei Jury-Mitgliedern bewertet. Gestartet wird mit 26 Punkten, durch Höhe und Schwierigkeit können bis zu vier Zusatzpunkte erreicht werden. Die maximale Punktzahl liegt somit bei 30. Fehler – etwa, wenn die Fahne Boden oder Fahnenschwinger streift, sich verwickelt oder zu Boden fällt – führen zu Abzügen. Das Tragen einer Tracht ist Pflicht, ebenso die Verwendung einer Schweizer- oder Kantonsfahne. Neben Einzeldarbietungen gibt es auch Duette, wo zwei Vereinsmitglieder zusammen antreten. Dann stehe der Gemeinschaftsgedanke noch mehr im Fokus, wie Blöchlinger betont. «Passiert bei einem Duett ein Fehler, sagen wir trotzdem: Wir haben den Fehler gemacht,nicht nur eine Person. Das gehört zur Partnerschaft dazu.» Neben den Wettkämpfen treten die Fahnenschwinger aus dem Linthgebiet an Jodlerfesten, Schwingfesten, Umzügen und am 1. August auf – manchmal sogar im Fernsehen.
Wie viele Vereine kämpft auch die Fahnenschwinger-Vereinigung Linthgebiet mit Nachwuchsproblemen. «Für kleine Kinder ist die Fahne oft noch zu schwer, und wenn sie dann alt genug sind, sind sie oft schon anderswo engagiert», erklärt Blöchlinger. Umso stolzer ist man auf seine jungen Mitglieder, die sich motiviert einbringen. «Wer Lust hat, kann jederzeit zum Schnuppern im Training vorbeikommen – wir freuen uns über jedes neue Gesicht.» Für diejenigen, die Gefallen an der Sportart finden, lohne sich ein Vereinsbeitritt auf alle Fälle – schöne Momente gebe es viele. Besonders bei einem Erfolg an einem Wettkampf. «Wenn einer von uns den Nordostschweizerischen Fahnen- schwinger-Wanderpreis holt, freuen sich alle mit», so Blöchlinger. Für die Zukunft ist das Ziel klar: Der Eidgenössische Fahnenschwinger-Wanderpreis soll endlich einmal vom Verein geholt werden. Blöchlinger ist zuversichtlich: «Die Chancen standen noch nie so gut wie jetzt. Im vergangenen Jahr belegten Mitglieder von uns die Plätze zwei und drei.»
⋌ shs
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