Raphael Gygax
ist der OK-Präsident des "The Little Big Festival" in Lichtensteig.
Eliane Löhrer arbeitet als Fachspezialistin Demenz im Seniorenzentrum Solino.
Eliane Löhrer ist Diplomierte Pflegefachfrau HF und arbeitet als Leiterin vom Geschützten Wohnbereich für Menschen mit Demenz und als Fachspezialistin Demenz im Seniorenzentrum Solino in Bütschwil. Dort begleitet sie Menschen mit Demenz sowie deren Angehörige im Alltag und unterstützt sie in verschiedenen Lebenssituationen – sei es durch beratende Gespräche, entlastende Tagesaufenthalte oder passende Wohnangebote. Sie leitet den geschützten Wohnbereich und setzt sich dafür ein, dass individuelle Bedürfnisse wahrgenommen und respektiert werden. Zudem berät und unterstützt sie auch Teams in den regulären Wohnbereichen im Umgang mit Demenz.
Eliane Löhrer, wie würden Sie Demenz definieren?
Demenz ist ein Überbegriff für verschiedene Erkrankungen, welche die Funktion des Gehirns beeinträchtigen. Die häufigsten Formen sind Alzheimer-Demenz, Vaskuläre Demenz, Lewy-Body-Demenz sowie Frontotemporale Demenz. Je nachdem, welcher Teil des Gehirns betroffen ist, treten verschiedene Symptome auf.
Haben Sie Beispiele für einige dieser Symptome?
Leitsymptome sind Probleme mit den kognitiven Fähigkeiten wie dem Denken, dem Gedächtnis, der Orientierung und der Sprache. Die Demenz kann aber auch Alltagsaktivitäten, Probleme mit dem Planen und der Problemlösung, Verhaltensveränderungen, wahnhafte Vorstellungen, Antriebslosigkeit, sozialer Rückzug und Stimmungsschwankungen auslösen. Die Anzeichen sind sehr vielfältig und es ist zum Teil schwierig, die Symptome von anderen psychischen Erkrankungen zu unterscheiden.
Gibt es Möglichkeiten, das Risiko einer Demenz zu verringern?
Ein gesunder Lebensstil – ausgewogene Ernährung, Nichtrauchen, gemässigter Alkoholkonsum, Bewegung, soziale Kontakte und geistige Aktivitäten – können das Demenzrisiko verringern. Zusätzlich sollte man Hörbeeinträchtigungen frühzeitig behandeln, da ein Hörverlust den geistigen Abbau fördert. Es ist wichtig, mögliche Symptome frühzeitig abzuklären. Eine frühe Diagnose schafft Klarheit und gibt Betroffenen sowie Angehörigen die Möglichkeit, wichtige Entscheidungen gemeinsam zu treffen und für die Zukunft vorzusorgen.
Und was kann man tun, wenn man die Diagnose erhalten hat?
Die vorher genannten Massnahmen können das Fortschreiten der Demenz hinauszögern sowie Komplikationen und Folgeerkrankungen vermeiden. Eine frühzeitige Diagnosestellung kann helfen, Wünsche rechtzeitig mit den Angehörigen festzuhalten. Dies kann auch Unsicherheiten reduzieren und Ängste verringern.
Was würden Sie Angehörigen raten, die sich plötzlich in der Rolle einer betreuenden Person wiederfinden?
Es ist besonders wichtig, dass pflegende Angehörige auch auf ihre eigene Gesundheit achten. Denn ohne eigene Kraft sind sie auch nicht in der Lage, die Betroffenen zu unterstützen. Ich empfehle allen pflegenden Angehörigen, sich möglichst früh bei der zugehenden Beratung von Alzheimer Schweiz zu melden. Diese ist kostenlos und begleitet Betroffene und Angehörige durch die verschiedenen Phasen der Erkrankung.
Und zum Schluss: Gibt es in der Region noch weitere Unterstützungsangebote?
Ja, und zwar einige: Der Entlastungsdienst Ostschweiz, die Fachstelle Demenz der Pro Senectute Wil/Toggenburg, Zeitgut Toggenburg sowie die Spitex oder die umliegenden Alters- und Pflegeheime bieten verschiedene Angebote zur Unterstützung an. Auch hier rate ich, diese früh genug in Anspruch zu nehmen, und nicht erst, wenn man an seine Grenzen kommt. Unter www.alzguide.ch findet man eine «Landkarte» mit Unterstützungsangeboten für Menschen mit Demenz und deren Angehörigen.
Shannon Senn
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