Marco Fischbacher
beendet seine Profikarriere als Rennskifahrer und konzentriert sich auf sein Studium.
Cathrin Zimmermann ist die Leiterin des Tierheims Nesslau.
Cathrin Zimmermann leitet das Tierheim Nesslau. Die Einrichtung bietet herrenlosen Tieren ein vorübergehendes Zuhause mit professioneller Betreuung, tierärztlicher Versorgung und grosszügigen Auslaufmöglichkeiten. Zudem gehört eine Pension dazu, in der Tiere während der Ferienzeit betreut werden können.
Cathrin Zimmermann, beobachten Sie rund um die Festtage vermehrt spontane oder unüberlegte Anfragen für eine Tieradoption?
Ja, in den letzten zwei Jahren hatten wir vermehrt Anfragen, wo explizit nach Tieren als Weihnachtsgeschenk gefragt wurde. Meistens für die Kinder.
Und gibt es Tiere, die besonders häufig als Geschenk gefragt sind?
Das ist ganz unterschiedlich – Katze, Hund, Kaninchen. Aber da dasGeschenk meistens für ein Kind sein soll, müssen die Tiere «herzig» sein. Man möchte also keinen Pit Bull Terrier, sondern lieber den süssen, kleinen Hund mit dem wuscheligen Fell.
Sind Sie deshalb im Tierheim Nesslau besonders vorsichtig in der Weihnachtszeit?
Auf jeden Fall. Wir geben unsere Tiere allgemein nicht vorschnell ab, sondern erst nach gründlichen Abklärungen. Einige Tierheime vergeben von Mitte bis Ende Dezember gar nicht. So strikt sind wir zwar nicht, allerdings raten wir Interessierten häufig, bis zum neuen Jahr zu warten und erst dann ein Tier zu adoptieren. In einige Fällen hören wir danach nichts mehr von den Personen – was meist darauf hindeutet, dass sie anderswo doch noch ein Tier als Geschenk erhalten haben.
Gibt es nach den Festtagen einen Anstieg an abgegebenen Tieren?
Einen starken Anstieg beobachten wir nicht. Gelegentlich sind es ein oder zwei Tiere, die offenbar unüberlegt angeschafft wurden.
Und welches sind Gründe für Rückgaben nach den Festtagen?
Die meisten haben es sich anders vorgestellt. Sie haben sich beispielsweise einen süssen Welpen geholt und dann gemerkt, wie viel Arbeit ein solcher macht. Oder sie haben sich einfach nicht richtig informiert, wie kostspielig und zeitaufwendig ein Haustier ist.
Zum Schluss: Welchen Rat geben Sie Menschen, die sich überlegen, ein Tier zu adoptieren?
Wir informieren Interessierte immer ausführlich über die jeweiligen Tierarten und ihre Bedürfnisse. Viele wünschen sich zum Beispiel ein Meerschweinchen und gehen davon aus, dass ein halber Quadratmeter pro Tier ausreicht, weil dies gesetzlich so festgelegt ist – dabei ist das in der Praxis viel zu wenig. Wenn wir merken, dass jemand trotz Aufklärung unbedingt ein Tier zu Weihnachten haben möchte, geben wir keines ab. Es gibt jedoch auch Menschen, die gerade die Weihnachtszeit wählen, weil sie dann viel zu Hause sind und genügend Zeit für eine sorgfältige Eingewöhnung haben. Nach einer gründlichen Abklärung vermitteln wir in solchen Fällen durchaus ein Tier. Meist merkt man schnell, ob es den Leuten wirklich ums Tierwohl geht oder ob es nur als Weihnachtsüberraschung dienen soll.
⋌Shannon Senn
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