Cathrin Zimmermann
vom Tierheim Nesslau spricht über Tiere als Weihnachtsgeschenke.
Die Silberfüchse bereichern seit über 30 Jahren mit ihren Aufführungen das kulturelle Leben im Toggenburg und darüber hinaus.
Toggenburg Am Samstag steht wieder eine Premiere der Theatergruppe auf dem Spielplan: «Don Giovanni im Altersheim» wurde von Regisseur Hans-Peter Ulli den Silberfüchsen wortwörtlich auf den Leib geschrieben. «Die bereits verkabelt sind, bitte zum Soundcheck auf die Bühne», tönt es an der nachmittäglichen Probe im katholischen Pfarreiheim in Wattwil. Für den Regisseur ist es das zweite Stück, das er mit den Silberfüchsen in Szene setzt. Und es ist das erste, was speziell für die Toggenburger Theatertruppe geschrieben wurde. Eine doppelte Premiere also. Neu ist ebenfalls die Ausrüstung der Darstellerinnen und Darsteller mit modernen Headsets. «Ein Muss in der heutigen Zeit», meint Fritz Blöchliger, Präsident der Toggenburger Theatergruppe Silberfüchse. Auf den technischen Tontest folgt für alle die Aufwärmübung für Zwerchfell und Stimme. «Das ist auch etwas, was Hans-Peter Ulli vor jedem Probebeginn eingeführt hat», so Blöchliger. Im Anschluss an die Übung verschwinden die zehn Schauspielerinnen und -spieler hinter die Bühne. Jede Rolle sei doppelt besetzt, berichtet der Vereinspräsident. Damit seien die Aufführungen personell abgesichert und jedes Mitglied komme so zu seinen Auftritten.
Die Köchin trällert aus einer Oper von Mozart, einer will immer nur Jassen, eine lebenslustige Dame singt viel und falsch. Ein rüstiger Rentner umgarnt eine geheimnisvolle Bewohnerin und ein schüchterner Mann verliebt sich heimlich. Es ist viel los im Altersheim. Keine leichte Aufgabe für die Leiterin, alle im Zaum zu halten. Die Idee zum Stück entstand am Laptop. Oder besser in einer Pause davon, als er Melodien aus der Mozartoper «Giovanni» summte, war die Idee geboren. Hans-Peter Ulli plane das Schreiben nicht, wie er sagt. Das gehe nicht allein vom Kopf her, das müsse er auch im Herzen fühlen. Für das Stück «Don Giovanni im Altersheim» habe Ulli sich die Menschen vorgestellt, die die Rollen spielen sollen. Nach und nach habe er dann die Geschichte entwickelt. Kein leichtes Unterfangen bei zehn Darstellern erinnert er sich. «Ich versuche, Figuren auf Personen zu setzen.» Dabei sei es zunächst wichtig, dass alle ihre Rolle finden, später könne man dann eingreifen. «Jedes Stück entsteht auf der Bühne», so Ulli. Die Arbeit mit den Silberfüchsen sei seine erste Erfahrung mit einem Seniorentheater und eine unheimlich belebende, meint er. Zusammen lernen, spielen und nicht zuletzt Spass haben, sei auch für ihn sehr bereichernd.
Hans-Peter Ulli verbindet neben der Schauspielerei auch sein Alter von 69 Jahren mit den Silberfüchsen. Dabei hatte er ersteres schon einmal abgeschlossen. 1984 begann seine Karriere auf der Bühne, von da an stand er über zwanzig Jahre, in über sechzig verschiedenen Theaterproduktionen, weit über 1000-mal auf den Brettern, die für ihn die Welt bedeuteten, wirkte in zahlreichen Filmproduktionen mit. «Meine Stationen führten mich durch die freie Szene in Zürich, ans Landestheater Salzburg, ans Schauspielhaus Zürich und ans Theater St.Gallen, dem ich als Ensemblemitglied bis 2001 angehörte», ist in seiner Biografie zu lesen. Im Jahr 2001 verliess er das Theater und zog mit seiner Partnerin nach Florenz. Sie kehrten zwar einige Jahre später in die Schweiz zurück, leben heute in Stein, im Appenzellerland. Für Hans-Peter Ulli begann eine neue Karriere: als Team- und Organisationsentwickler. Erst im Pensionsalter widmet er sich wieder dem Schauspiel – als Drehbuchautor und Regisseur. Sein Credo bei jeder Inszenierung lautet: «Das Publikum für eine Weile in eine andere Welt entführen, auf eine kleine Insel der Menschlichkeit.»
Am Freitag feiert Hans-Peter Ulli mit der Toggenburger Theatergruppe Silberfüchse im Kronensaal in Lichtensteig Premiere. Nach 28 Proben seit dem Frühjahr wird die neuste Produktion «Don Giovanni im Altersheim» ein erstes Mal vor Publikum gezeigt und das wie immer im Toggenburg. In den kommenden anderthalb Jahren folgen weitere Aufführungen an verschiedensten Orten in der Ostschweiz und in der Nähe von Zürich, so Präsident Fritz Blöchliger. Dabei sei besonders die Logistik jeweils herausfordernd. Bühnenbild und Requisiten werden immer selbst transportiert und aufgebaut. Dafür suche man freiwillige Helfer, ebenso wie Männer, die gerne auch einmal auf der Bühne stehen möchten.⋌ hem
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