Anna-Catrina Walt
übernimmt neu das Präsidentenamt des Sportvereins Wildhaus - Alt St.Johann.
Viel Arbeit, ein Rückschlag – und nun die Belohnung: Cyril Bieri aus Schmerikon hat sich für die Olympischen Winterspiele in Mailand qualifiziert. Der Bob-Anschieber spricht über Dankbarkeit nach der Selektion, über mentale Belastungen im Auswahlprozess und den langen Weg zurück nach einer Nervenentzündung im Rücken. Der 32-Jährige erklärt, warum Disziplin und Teamgeist für ihn der Schlüssel sind – und wovon er in Italien träumt.
Cyril Bieri, was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Sie erfuhren, dass Sie sich für die Olympischen Spiele 2026 in Mailand qualifiziert haben?
Als erstes habe ich mich natürlich riesig gefreut, dass es geklappt hat. Ich habe vier Jahre hart darauf hingearbeitet und war sehr dankbar, dass mein Einsatz belohnt wurde. Gleichzeitig war da auch ein kleines Gefühl von Genugtuung nach all der harten Arbeit.
Wie genau haben Sie sich auf dieses Ziel vorbereitet?
Ich habe hart trainiert – sechsmal pro Woche mit jeweils zehn Einheiten. Unterstützend habe ich noch den Rumpf trainiert und koordinative Übungen gemacht. In der letzten Phase vor der Olympiade trainiere ich etwas weniger und kürzer, um für den Höhepunkt topfit zu sein.Daneben spielt auch das Mentale eine grosse Rolle. Es ist wichtig, sich auch im Kopf gut vorzubereiten. Insgesamt würde ich sagen, dass ich mein ganzes Leben auf dieses Ziel ausgerichtet habe. Ich verzichte auf vieles, das nicht in meinen Trainingsalltag passt.
Und was ist für Sie herausfordernder: die physische oder die mentale Belastung?
Das kommt ganz auf den Zeitpunkt an. Diese Saison war vor allem mental sehr fordernd, als ich während dem Selektionsprozess ständig mitfieberte, ob ich dabei bin. Jetzt, wo ich weiss, dass ich qualifiziert bin, geht es mir etwas besser. Jetzt heisst es: ruhig bleiben und nicht anfangen zu zweifeln. Dabei hilft mir meine erste Olympia-Erfahrung von 2022. In der letzten Saison hingegen war eher das Körperliche fordernd, da ich nach einer Verletzung wieder fit werden musste.
Das klingt nach einem Rückschlag.
Definitiv. Ich hatte eine Nervenentzündung im Rücken, die ins Bein ausstrahlte. Es war sogar von einer Operation die Rede, bei der man mir die Rückenwirbel versteift hätte.
Wie sind Sie mit dieser Situation umgegangen?
Am Anfang war ich wirklich unsicher, wie es weitergehen soll und wie sich das langfristig auf meine Gesundheit auswirkt. Ich habe mich dann für den konservativen Weg ohne Operation entschieden. Ich wollte unbedingt meine vorherige Leistung zurückgewinnen. Dafür musste ich vieles ändern, neue Wege finden und manches neu lernen. Der Wille war da, und so habe ich mich Schritt für Schritt zurückgekämpft.
Sie haben eine Ausbildung zum Berufsoffizier gemacht. Hat Ihnen diese Disziplin geholfen, wieder zu alter Stärke zurückzufinden?
Ich denke schon. Allgemein unterstützt mich die Disziplin aus meiner militärischen Laufbahn im Sport enorm. Auch für das Zwischenmenschliche sind meine Erfahrungen als Teamleader hilfreich – wenn die Atmosphäre im Bobteam stimmt, erzielen wir automatisch bessere Resultate.
Sie sind durch Ihre Ausbildung zum Bobsport gekommen.
Genau. Ich zog von Interlaken nach Zürich, und einmal fragte mich ein Bob Anschieber im Fitnessstudio, ob ich nicht ein Probetraining machen möchte. Ich bin mitgegangen, und es hat von Anfang an gut funktioniert. So bin ich nach und nach ins Team gerutscht.
Und was hat Sie zu Beginn am meisten am Bobsport begeistert?
Die Kombination aus Power und Schnelligkeit hat mich von Anfang an fasziniert. Dazu das Adrenalin beim Start und der Spass am Sport. Als dann auch noch Erfolge kamen, hat das alles noch einmal verstärkt.
Welche Ziele setzen Sie sich für die Olympischen Spiele?
Ein Traum für mich ist ganz klar eine Olympia-Medaille. Dafür muss im gesamten Team alles perfekt zusammenpassen, sodass jeder seine beste Leistung abrufen kann. Ich hoffe also, dass ich dem Team zu einem guten Start verhelfen kann, damit unser Pilot am Schluss alles herausholen kann.
Und zum Schluss: Welche anderen Ziele haben Sie neben den Olympischen Spielen?
Sportlich fokussiere ich mich erst einmal komplett auf die Olympiade. Was danach kommt, ist nochoffen. Beruflich möchte ich gerne Osteopathie studieren. Durch den Sport und besonders durch meine Verletzung habe ich mich viel mit dem Thema beschäftigt. Es wäre schön, noch mehr Wissen zu sammeln und dieses weiterzugeben.
⋌Shannon Senn
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