Celina Wasser
aus Benken möchte unbedingt zurück ins Swiss-Ski-Kader.
Norbert Stieger tritt als Schulratspräsident der Schulgemeinde Wattwil-Krinau zurück.
Nach fast 28 Jahren an der Spitze der Schulgemeinde Wattwil-Krinau tritt Schulratspräsident Norbert Stieger auf Ende Januar 2027 zurück. Der 64-Jährige zieht damit bewusst die Konsequenz aus den bevorstehenden Veränderungen im Volksschulgesetz. Im Rückblick beschreibt er ein Amt, das weit über Finanzen, Bauprojekte und Sitzungen hinausgeht.
Wattwil-Krinau Mit dem angekündigten Rücktritt von Norbert Stieger verliert die Schulgemeinde Wattwil-Krinau ihren langjährigen Schulratspräsidenten. Fast 28 Jahre lang stand der 64-Jährige an der Spitze der Schule – ein Amt, das in der Öffentlichkeit oft mit Sitzungen, Budgets und Bauprojekten verbunden wird. Für Stieger ist es hingegen vor allem ein Beruf mit grosser Verantwortung für Menschen. «Es gab keinen Tag, an dem ich nicht gerne zur Arbeit gekommen bin», sagt er. Sein Entscheid sei deshalb kein emotionaler, sondern ein rationaler. Die laufende Gesamtrevision des Volksschulgesetzes werde in den kommenden Jahren wichtige Veränderungen auslösen, beispielsweise im Förderbereich, bei der integrativen Sonderschulung oder bei der Organisation der Oberstufe. «Diese Prozesse wird meine Nachfolge umsetzen müssen. Deshalb ist ein Rücktritt mitten in der Legislatur sinnvoll, damit genügend Zeit für die Einarbeitung bleibt», erklärt Stieger. Dass er überhaupt Schulratspräsident wurde, war ursprünglich nicht geplant. Stieger war Oberstufenlehrer und Vorsteher der Realschule, als er für das Amt angefragt wurde. «Ich hatte mich vorher nie mit dieser Idee beschäftigt», erinnert er sich. Die Aufgabe habe ihn gereizt, also sagte er zu. «Ich war selbst erstaunt über meinen Mut, dass ich Ja sagte.» Der Einstieg sei turbulent gewesen, weil damals gerade die Organisation der Oberstufe diskutiert wurde. «Ich wurde ziemlich ins kalte Wasser geworfen.»
Komplexe Strukturen
Heute umfasst die Schulgemeinde Wattwil-Krinau drei Schuleinheiten: Risi, Grüenau und Wis. Hinzu kommen weitere Schulstandorte ausserhalb des Dorfzentrums. Die Struktur ist komplex: In den städtischen Schulen liegt der Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund in einigen Klassen bei gegen 90 Prozent, in den Aussenschulen deutlich tiefer. Kinder aus abgelegenen Gebieten besuchen den Kindergarten bis zur vierten Klasse vor Ort und wechseln danach nach Wattwil. Dafür organisiert die Schulgemeinde Schulbusse, Mittagstische sowie Betreuungsangebote vor und nach dem Unterricht. Einen typischen Arbeitstag gibt es unter diesen Voraussetzungen nicht. «Kein Tag ist wie der andere», sagt Stieger. Mal gehe es um die Betreuung eines Kindes in einer Sonderschule, mal um Gespräche mit Schulleitungen über schwierige Situationen, mal um strategische Fragen oder die Vorbereitung von Sitzungen. «Und manchmal unterstützt man auch eine Familie in einer schwierigen Situation oder hilft Kindern, die in sehr belastenden Verhältnissen leben.» Gerade diese menschlichen Situationen sind für Stieger die grösste Herausforderung seines Amtes. Wichtig sei, präsent zu sein, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen und auch Kritik anzunehmen: «Denn die bringt einen weiter.» Gleichzeitig müsse man den Überblick behalten, auch über Sanierungen, Neubauten und langfristige Projekte. Dafür braucht es eine gute Zusammenarbeit mit allen beteiligten Organisationen. «Wir arbeiten Hand in Hand mit den Schulleitungen und haben flache Hierarchien», beschreibt Stieger. Insgesamt beschäftigt die Schulgemeinde rund 200 Mitarbeitende. Für Stieger ist klar: Der Erfolg hänge nicht vom Präsidenten allein ab. «Das Team ist entscheidend. Auch jene, die nicht im Rampenlicht stehen.»
Die Schule von morgen
Besonders stark beschäftigt ihn derzeit die Frühförderung. Viele Kinder in Wattwil könnten beim Eintritt in den Kindergarten nicht richtig Deutsch. Deshalb investiert die Schulgemeinde in Frühdeutsch-Angebote. «Es geht um Chancengleichheit», betont Stieger. Kinder ohne Deutschkenntnisse bräuchten Unterstützung, gleichzeitig dürften deutschsprachige Kinder nicht benachteiligt werden. «Dafür braucht es bedarfsgerechte Angebote.» Auch der Bereich der Sonderschulung müsse überarbeitet werden. Aktuell gibt es erst ab der vierten Klasse eine Sonderschule. «Häufig gibt es aber Kinder, die schon viel früher Unterstützung bräuchten», so Stieger. Bei der Oberstufe verfolgt er die Diskussionen um mögliche neue Modelle aufmerksam. Es wird diskutiert, ob die Trennung zwischen Real- und Sekundarschule aufgehoben werden soll. Dafür bräuchte es klare Konzepte und passende Rahmenbedingungen, wie etwa Niveaugruppen innerhalb gemeinsamer Klassen. Die Zusammenarbeit mit der politischen Gemeinde bezeichnet Stieger als sehr gut. Die Schulverwaltung ist im Gemeindehaus untergebracht, viele Abläufe werden gemeinsam organisiert: «Wir möchten die Ressourcen möglichst effizient einsetzen und das Geld in die Kinder investieren.»
Bereit für die nächste Generation
Seinen Rücktritt hat Stieger bewusst so geplant, dass die Nachfolge in den ersten ein bis zwei Jahren keine grossen neuen Projekte übernehmen muss. Die laufenden Vorhaben seien so aufgegleist, dass man daran weiterarbeiten könne. «So kann sich die Person voll und ganz auf die neuen Aufgaben aus der Gesamtrevision des Volksschulgesetzes vorbereiten», erklärt er. Seiner Nachfolgerin oder seinem Nachfolger wünscht er vor allem eines: «Dass die Person Menschen gern hat. Und zwar auch die, die einem Schwierigkeiten bereiten.» Dazu brauche es Offenheit, Mut und die Bereitschaft, auch unübliche Wege zu gehen, ganz nach seinem Motto: «Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe.»
shs
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