Marco Fischbacher
beendet seine Profikarriere als Rennskifahrer und konzentriert sich auf sein Studium.
Stolz zeigt Mirko Hüppi seinen Grasski.
Mirko Hüppi zählt zu den erfolgreichsten Schweizer Grasskiläufern und führt gleichzeitig eine eigene Schreinerei in Gommiswald. In seiner letzten Wettkampfsaison pendelt der 36-Jährige weiterhin zwischen Werkbank und Weltcup. Im Interview spricht er über seine Anfänge, Erfolge, Herausforderungen und Ziele.
Mirko Hüppi, wann haben Sie mit dem Grasskifahren angefangen und wie ist es dazu gekommen?
Schon als Kind stand ich im Winter oft auf Skiern. Mein Vater erzählte viel vom Grasskisport, sodass ich es irgendwann auch probieren wollte. Mit zehn Jahren war ich dann zum ersten Mal im Gras statt im Schnee – und sofort begeistert.
Und jetzt befinden Sie sich mitten in Ihrer letzten Saison.
Ja, und es macht mir immer noch Spass. Die Motivation und der Ehrgeiz sind noch da. Auch in meinen letzten Rennen möchte ich noch zeigen, was in mir steckt. Besonders freue ich mich auf die Weltmeisterschaft Ende August in Tschechien.
Wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken: Welcher Ihrer Erfolge bedeutet Ihnen besonders viel?
Ganz klar der Weltmeistertitel 2019 auf der Marbachegg. Im eigenen Land Weltmeister zu werden, ist etwas Besonderes. Ein weiteres Highlight war das Weltcup-Finale vor zwei Jahren, bei dem ich alle drei Rennen gewann.
Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie oben auf dem Podest stehen?
In erster Linie Stolz. In diesem Moment wird mir bewusst, wofür ich gearbeitet und all die Strapazen auf mich genommen habe. DiesesGefühl macht süchtig, gleichzeitig aber auch ein bisschen wehmütig. Denn mir ist bewusst, dass solche Erfolge nicht selbstverständlich sind. Oft frage ich mich: War das vielleicht das letzte Mal?
Grasskifahren gehört zu den Randsportarten. Erkennt man Sie hier im Ort eher als Sportler oder als Schreiner?
Hier in Gommiswald kennt man mich hauptsächlich durch die Schreinerei. In der weiteren Umgebung werde ich aber regelmässig auf den Grasskisport angesprochen. Es kann durchaus ein Vorteil sein, in einer Randsportart aktiv zu sein. Das Thema weckt Interesse, weil es etwas Aussergewöhnliches ist. In Gesprächen gibt es oft spannende Fragen und man kommt leicht ins Erzählen.
Wie bringen Sie Beruf und Sport unter einen Hut?
Einfach ist das nicht. Es braucht eine gute Planung und viel Disziplin. Wenn ich an Rennen bin, bleibt die Arbeit in der Schreinerei zwangsläufig liegen. Das bedeutet für mich: vor- oder nacharbeiten. Manchmal komme ich sonntagnachts von einem Wettkampf im Ausland zurück und am Montagmorgen stehe ich um sieben Uhr wieder in der Werkstatt. Das ist anstrengend und fordert viel Energie. Aber beides gehört zu meinem Leben - und ich mache es mit Leidenschaft.
Grasski-Weltmeisterschaft und ein Weltcup-Finale haben beide schon in der Schweiz stattgefunden. Sind weitere Rennen in dieser Grössenordnung geplant?
In der nächsten Zeit nicht, nein. Momentan liegt unser Fokus auf der Nachwuchsförderung. Wir wollen wieder ein grösseres Team aufbauen. Nur mit genügend Athletinnen und Athleten lohnt sich der organisatorische Aufwand für einen solchen Grossanlass wirklich.
Was fehlt Ihnen noch für den glorreichen Abschluss Ihrer Karriere?
Das wäre definitiv der Gesamtweltcup. Ich wurde in der Vergangenheit schon mehrmals Zweiter undliege auch aktuell wieder auf dem zweiten Rang. Das liegt vielleicht an meinem Fahrstil. Ich fahre gern mit Risiko. Das wird zwar oft mit Spitzenplätzen belohnt, kann aber auch zum Ausscheiden führen. Den Gesamtweltcup noch zu gewinnen, wäre der perfekte Abschluss für meine Karriere.
Das Interview führte: Shannon Senn
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