Cathrin Zimmermann
vom Tierheim Nesslau spricht über Tiere als Weihnachtsgeschenke.
Kiss – «Keep it small and simple» – steht für begleitete Nachbarschaftshilfe in der Region Linth und zählt über 350 Mitglieder. In der Genossenschaft engagieren sich Einwohner aus neun Gemeinden, von Eschenbach bis Amden.
Linthgebiet Ein Kaffee, viel Herzlichkeit und noch mehr Engagement: Beim Kiss-Kafi im Pfarreizentrum Schmerikon nutzten über 50 Mitglieder und Interessierte die Gelegenheit zum Austausch. Lachen, Umarmungen und Gespräche prägten die Atmosphäre. Der Nachmittag zeigte, wie Kiss im Alltag wirkt – höchste Zeit also, einen Blick auf die Idee dahinter zu werfen. Bei Kiss unterstützen Personen andere, die einfache, nicht pflegerische Hilfe benötigen – etwa zum Spazieren, beim Einkaufen oder zu Gesprächen. Die Helfenden erhalten Zeitnachweise für die geleistete Arbeit, auf die sie später selbst zurückgreifen können. Eine Vorsorge also, die ohne Franken funktioniert. Im Zentrum stehen die sogenannten Tandems. «Das sind Zweierteams, bei der eine Person die Empfangende der Hilfe oder Dienstleistung ist, und die andere die Arbeit im freiwilligen Einsatz erbringt», erklärt Ursula Wüst-Lückl, Koordinatorin von Kiss Linth. Die 53-Jährige ist in Schmerikon aufgewachsen und lebt heute in Gommiswald. Als langjährige Kirchenmusikerin, kaufmännische Angestellte und sozial engagierte Persönlichkeit kennt sie viele Menschen in der Region – ein Vorteil, wie sie sagt: «Nähe und Vertrauen sind für unsere Arbeit entscheidend.»
Dass Nachbarschaftshilfe wichtiger ist denn je, zeigt ein Blick in die Zukunft. Ein Professor der Universität Luzern habe kürzlich auf neue Zahlen des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums aufmerksam gemacht, so Wüst-Lückl: Würden gleich viele Menschen wie heute in Alterszentren eintreten, bräuchte die Schweiz laut aktuellen Schätzungen bis 2040 rund 445 zusätzliche Heime. «Das zeigt, wie bedeutend es ist, ältere Menschen so lange wie möglich in ihrem Zuhause zu unterstützen», erklärt Wüst-Lückl. Kiss arbeite deshalb eng mit Kollektivmitgliedern wie Spitex, Pfarreien und Alterszentren zusammen. Dass die verschiedenen Institutionen dabei konkurrieren, sei ein Irrtumsgedanke. «Wir unterstützen uns gegenseitig – es ist ein Miteinander statt gegeneinander.» Wie gut diese Zusammenarbeit funktionieren kann, bestätigt Peter Beutler von Tixi Zürichsee-Linth, der ebenfalls beim Kiss-Kafi zu Gast war: «Die freiwilligen Fahrdienstleistenden haben die Möglichkeit, ihre Einsatzstunden auch bei Kiss Linth anrechnen zu lassen. In Gesprächen mit neuen Mitgliedern machen wir zudem auf beide Organisationen aufmerksam und weisen auf die jeweiligen Angebote hin.» Auch Wüst-Lückl zeigt sich erfreut über diese Kooperation: «Viele unserer fleissigsten Freiwilligen gehören zu Tixi Zürichsee-Linth.» Und Tixi ist nicht der einzige Partner. Kiss Schweiz ist zudem Mitglied bei Spitex Schweiz – ein deutliches Zeichen dafür, dass die verschiedenen Institutionen nicht in Konkurrenz stehen, sondern sich gegenseitig ergänzen. Fehlen dem Spitex-Fachpersonal die Ressourcen für Aufgaben wie Spaziergänge oder gemeinsames Einkaufen, übernimmt Kiss und unterstützt damit das bestehende Angebot.
Für besondere Energie im Saal sorgte das Lachyoga mit Alberto Hildebrand. Mit humorvollen Übungen brachte er die Besucherinnen und Besucher in Bewegung und zum Lachen. Ein Effekt, der sichtbar guttat: Nach wenigen Minuten war die anfängliche Zurückhaltung verflogen, und das gemeinsame Lachen machte den Raum spürbar leichter. Beim anschliessenden gemütlichen Teil wurde deutlich, wie vielseitig die Unterstützung von Kiss ist. So erzählte etwa Helena Eberle aus Eschenbach, die seit fünf Jahren dabei ist, wie sie zusammen mit ihrem Mann zwei Buben einer jungen Familie hütet. «Ich habe auch schon eine schwerkranke Frau bis in den Tod begleitet», sagt sie. Dies sei eine schwierige Situation, aber man lerne, damit umzugehen. «Und man macht es gerne. Für diese Menschen ist es enorm wichtig, dass es jemanden gibt, der einfach da ist.» Auch Wüst-Lückl bewegen solche Momente. «Besonders schön finde ich, wenn ich auf der Strasse meinen Tandems beim Spazieren begegne oder sie mir Fotos von ihren gemeinsamen Ausflügen schicken.» Solche Augenblicke würden ihr immer wieder zeigen, wie wertvoll die Arbeit von Kiss sei.
Die Genossenschaft wächst stetig weiter und funktioniert generationenübergreifend: Die jüngsten Engagierten sind erst 17 Jahre alt. «Wir unterstützen nicht nur Seniorinnen und Senioren. Jede Person kann in eine Lage kommen, in der ein wenig Unterstützung viel bewirkt», betont Wüst-Lückl. Gleichzeitig hat sie einen klaren Wunsch für die Zukunft: In allen Gemeinden genügend Freiwillige zu haben, um jede Anfrage bedienen zu können. «Mein Ziel ist es, für jede Unterstützung die passende Person zu finden.» Interessierte finden weitere Informationen unter www.kiss-linth.ch.
⋌shs
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