Werner Knaus
freut sich als Co-OK-Präsident des Bergrennens Hemberg auf die 13. Ausgabe.
Rapperswil Zürichsee Tourismus ( RZST ) steht nicht oft im Vordergrund. Dabei ist die Organisation an vielen Anlässen rund um den Obersee und die Rosenstadt involviert. Der Fokus ist ein anderer, als dies bei anderen Tourismusorganisationen der Fall ist. Man glaubt es kaum, aber der als «Verkehrs- und Verschönerungsverein » in Rapperswil gestartete Verein kann bereits auf 140 Jahre Vereinstätigkeit zurückblicken. Im Gespräch erklärt der Direktor Tobias Treichler , wie sich der Verein von anderen Destinationsmanagementorganisationen (kurz DMO ) unterscheidet, wie man mit anderen Regionen zusammenarbeitet und wie, nicht ganz freiwillig, Gratiswerbung für die Stadt generiert wird.
Die Aufgabe des klassischen Tourismusbüros ist es, Hotels, Verkehr und Freizeitangebote zu bewerben. Wie sieht das bei ihnen aus?
Aus touristischer Sicht wollen wir den gegebenen Raum gestalten, in dem wir uns bewegen. Unser primärer Fokus liegt aber nicht in der Vermarktung, sondern in der Gestaltung, womit wir uns von anderen Tourismusorganisationen unterscheiden, die eher ins Marketing und in Kampagnen investieren. Wir versuchen, den Lebensraum zu gestalten, in dem wir uns befinden, und sprechen damit die lokale Bevölkerung wie auch Gäste von nah und fern an. Wir versuchen mit unserer Arbeit, Wertschöpfung in die Region zu bringen. Mit lokalen, aber auch regionalen Projekten wollen wir erreichen, dass es unseren Stakeholdern gut geht und dass es auch für die Bevölkerung so verträglich wie möglich ist.
Das ist spannend und anders, als man das von anderen Organisationen kennt.
Ja, dies ist aus unserer Sicht die zukünftige Ausrichtung von DMO. Wir arbeiten eng mit Zürich Tourismus, der grössten Tourismusregion der Schweiz, zusammen, und dürfen mit ihnen Teil dieser Veränderung im Schweizer Tourismus sein.
Wie sieht das aus mit dem Gestalten?
Da gibt es drei Stossrichtungen. Erstens entwickeln wir Bestehendes weiter. Das Seenachtfest gibt es seit 100, den Freitagsmarkt seit 50 Jahren, und wir wollen solche und ähnliche Anlässe erhalten. Zweitens wollen wir mit Dritten, zum Beispiel dem Schloss Rapperswil, der Stadt oder dem Knies Kinderzoo, Projekte entwickeln. Dabei schauen wir mit diesen Organisationen, wo wir helfen können, wie man eineIdee umsetzen kann oder ob wir eine finanzieren können. Und drittens setzen wir eigene Projekte um. Ein Beispiel ist der Erlebnisweg Obersee. Ein mehrjähriges Projekt mit dem Ziel einen familientauglichen, inspirierenden und optisch ansprechenden Rundweg um den Oberen Zürichsee zu gestalten. Dieses Projekt ist ein Paradebeispiel, wie wir politische Organisationen, Verbände und die Bevölkerung einbezogen haben.
Würdet ihr euch trotzdem als Tourismusorganisation bezeichnen?
Ja, wir sind eine Tourismusorganisation. Wenn wir aber weiter vorausschauen, ist es vielleicht nicht mehr die richtige Bezeichnung. Wir müssen uns damit auseinandersetzen, wohin die Entwicklung gehen soll. Es geht mehr darum, den Lebensraum zu managen. Das soll weiter gehen als ein farbig angemaltes Bänkli oder ein Rundgang mit Hörbuch. Wir möchten und könnten mehr Aufgaben innerhalb unserer Region übernehmen. Da wird es wohl eine Vermischung geben. Vielleicht werden wir zu einer Lebensraumorganisation oder zu einer Lebensraumgestalterin.
Und doch seid ihr den Gästen von aussen nicht abgeneigt, oder?
In keiner Art und Weise. Wir freuen uns über alle Gäste und sind auch angewiesen, dass diese länger in unserer Region bleiben und übernachten. Wir haben unsere Leuchttürme: Das Schloss, den Kinderzoo, den See oder eine Eventlokalität wie das Entra. Und dann ist da noch die Nähe zu Zürich, die unterstützt. Einerseits mit Tagestouristen, die per Schiff oder Bahn kommen. Andererseits auch Übernachtungsgäste, wenn die Alternativen in Zürich geringer sind.
Wie viel Rapperswil und wie viel Zürichsee ist bei euch in der Organisation drin?
In Bezug auf die Mitarbeitenden sind etwa 80 Prozent aus der Region Rapperswil. Auch im Vorstand ist die Hälfte der Leute aus der Stadt. Das hilft bei der Umsetzung unserer Projekte, weil man die Partner kennt und die Wege kurz sind. Es braucht aber auch die anderen, um über die Region hinaus zu denken.
Wie sieht die Zusammenarbeit mit der Schwyzer DMO, der Einsiedeln-Ybrig-Zürichsee AG (EYZ), aus?
Die EYZ ist Teil der Grossregion Zürichsee Schweiz und somit auch Teil von Rapperswil Zürichsee Tourismus. Wir zählen über beide Organisationen hinweg 20 Mitarbeitende. Ich bin Geschäftsführer beider Organisationen, genauso haben wir einen Präsidenten, der sowohl dem Vorstand von RZST wie auch dem Verwaltungsrat der EYZ vorsitzt. So nutzen wir die gemeinsamen Synergien zum Beispiel für überregionale Projekte, ein gemeinsames Marketing oder Partnermanagement. Ich bin also verantwortlich für zwei Organisationen zwischen dem Walensee und Zürich sowie zwischen den Mythen und dem Ricken.
Das macht es bei manchen Projekten sicher einfacher, oder?
Ja, man kann so Synergien nutzen. Das macht es einfacher, auch bei der Finanzierung von Projekten. Ein Beispiel dazu ist das Thema Wasser, wo wir Wasser erlebbarer, sichtbarer und touristisch nutzbarer machen wollen. Das Projekt »Wasserwelten» wird von beiden Kantonen (St.Gallen und Schwyz) unterstützt und auch mitfinanziert.
Wie sieht die Zusammenarbeit mit anderen Tourismusorganisationen aus?
Wir pflegen mit allen umliegendenOrganisationen eine gute Zusammenarbeit. Mit Zürich Tourismus besteht sicherlich die intensivste Partnerschaft. So profitieren wir von vielen ihrer Dienstleistungen und Services, zum Beispiel in Bezug aufs Marketing. Mit Visit Glarnerland bestand eine thematische Zusammenarbeit, zum Beispiel rund ums Eidgenössische Schwing- und Älplerfest. Amden und Weesen haben eine eigene Tourismusorganisation, wir dürfen für sie im Mandat gewisse Aufgaben übernehmen. Heidiland Tourismus ist eine weitere DMO des Kantons St.Gallen und wir Geschäftsführende treffen uns regelmässig zum Austausch. Auch mit den Innerschweizer DMO pflegen wir regelmässige Sitzungen. Hinzu kommt da noch der Austausch mit Zürich Tourismus, Tourismus Region Baden, dem House of Winterthur, Zug Tourismus sowie der Standortförderung Zürioberland. So haben wir in alle Himmelsrichtungen Kontakt.
Das hört sich nach vielen Zusammenkünften und Meetings an …
Das ist in der Tat so und ich frage mich manchmal auch, wie ich alles unter einen Hut bringe und wie ich das Daily Business noch schaffe. Man darf schon viel unterwegs sein. Aber es gelingt mir sehr gut.
Was sind grosse Projekte, die mit anderen Tourismusorganisationen realisiert werden?
Da gibt es sehr wenige Projekte, die über viele Organisationen realisiert werden. Zusammenarbeiten mit angrenzenden Organisationen gibt es immer wieder, zum Beispiel beim genannten Projekt Wasser. Es kommt bei der Finanzierung von Projekten manchmal auch auf politische Umstände an. Es gibt sie aber. So arbeiten wir zum Beispiel mit der Region See & Gaster zusammen für den Erlebnisweg um den Obersee. Thematisch ist es zum Teil einfacher wie strukturell zusammenzuarbeiten.
Welche grossen Projekte stehen an für RZST?
Dieses Jahr findet wiederum das Seenachtfest in Rapperswil vom 7. bis 9. August statt. Die Vorbereitungen sind in vollem Gange und werden uns noch einige Wochen beschäftigen. Zudem laufen noch weitere Eventvorbereitungen oder diverse Projekte. Gerne werden wir zu gegebener Zeit darüber berichten. Wir investieren weiterhin Zeit in unsere Partner und Mitglieder, tragen unsere Regionen kommunikativ nach aussen, freuen uns auch auf neue Ideen.
Alex Schüpbach
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