Anna-Catrina Walt
übernimmt neu das Präsidentenamt des Sportvereins Wildhaus - Alt St.Johann.
Beliebter Spielplatz: der Dorfbrunnen im Ortsteil Kappel im Jahr 1997.
Vor fast 60 Jahren in Ebnat-Kappel aufgewachsen und 50 Jahre davon im Haus beim Brunnen an der Oberdorfstrasse daheim. Traurig – wieder einmal mehr – wie schnell etwas Altes gnadenlos vernichtet wird und stattdessen ein seelenloses Etwas platziert werden soll. Dies geschieht mit so vielen Gebäuden in Ebnat-Kappel, mit Bäumen und Wiesen. Da wird nicht lange gefackelt, weg damit. Was sind das für gefühllose Mitmenschen? Sind dies Leute, denen es selbst an Tiefe und Wurzeln fehlt? Haben sie keinen Dorfbezug und somit kein Heimatgefühl? Nur so ist ihr Handeln zu erklären. Wie paradox es ist, zeigt die Logik dieser «Geschichte». So soll ein teurer Granit -Brunnen aus dem Tessin herantransportiert und derselbige mit Trinkwasser gespiesen werden. Anbei bemerkt glaube ich persönlich der «Schnäppchen-Preis» von Franken 30’000 reicht sicher nicht aus, bis der dort steht. Will man die Leute für dumm verkaufen, wenn man ihnen glaubhaft machen will, dass eine 150-jährige Leitung zu reparieren teurer sei, als den fremden Stein vom Ticino ins Toggenburg zu transportieren? Was hat dieser, meiner, unser Brunnen für Geschichten zu erzählen. Vom fast 100-jährigen Herrn Bösch, der fast bis zum letzten Tag seines Lebens von Brunnenwasser getrunken hat. Von all den Generationen von Kindern, die darin geplantscht, getaucht und gefischt haben. Von all den Vögeln, die dort auf der Röhre gestanden und Wasser getrunken haben. Gar zu früheren Zeiten dort die Pferde der Kutschen zur Tränke gingen, nämlich, als das rote Haus noch Gasthaus «Adler» hiess. Ist dies nichtig, nicht der Rede wert, alt, vorbei, nicht mehr erwähnenswert? Ich wünsche mir herzlich, dass die IG Dorfbrunnen den Widerstand schafft, zusammenhält, damit stark ist und ein Zeichen setzt. Für eine fast 200-jährige Vergangenheit, die uns hierhin gebracht hat, wo wir heute stehen. Wo man vielleicht keine grossen Maschinen und grossen Egos hatte, dafür definitiv viel Zusammenhalt und Herzlichkeit. Mit meinem Leserbrief schicke ich ein Foto von meiner Tochter, die am Brunnen im Ortsteil Kappel steht. Dieses Bild hat der «Dorfchronist» Hans Näf geknipst. Er wusste fast alles über die Geschichte der Gebäude und Brunnen des Dorfes. Auf Umwegen ist diese Bild zu mir gekommen, bis vor zwei Monaten habe ich nichts von diesem Föteli gewusst, es ist mir nun fast heilig.
Heidi Anderegg, Herisau
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