Celina Wasser
aus Benken möchte unbedingt zurück ins Swiss-Ski-Kader.
Barbara Soreia Wojak
Seit zwanzig Jahren lebe ich in der Schweiz. Und diejenigen, die mich wirklich kennen, wissen: Ich bin alles, aber ganz sicher kein Wanderhase. Ein kleiner Spaziergang? Jederzeit. Aber in die Berge? Noch dazu bei Regen? Eher nicht. Noch vor einem Jahr hätte ich wahrscheinlich gesagt: «Geht ihr mal. Ich mache es mir mit einer Tasse Kaffee auf dem Sofa gemütlich.» Und heute? Ich erkenne mich manchmal selbst kaum wieder. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet ich freiwillig mit Regenjacke und Wanderschuhen auf einer Alp stehe? Mit meiner guten Freundin ging ich zum Älplerfest auf die Sellamatt. Astrologisch war der 19. Juli für mich ein besonderer Tag. Manche verdrehen jetzt vielleicht schon die Augen. Andere sehen vermutlich die räucherstäbchenschwingende Grünhaarige aus Krummenau vor sich. Wisst ihr was? Damit kann ich wunderbar leben. Zum ersten Mal durfte ich einen Alpgottesdienst erleben, dem Jodler und Gesangschor sowie den Alphörnern lauschen und diese besondere Atmosphäre auf mich wirken lassen. Und genau dieser Alpgottesdienst hat mich tief berührt. So nah am Leben. So nah an der Natur. So nah an den Menschen. Und gleichzeitig so nah an Gott. Meine Verbindung zu Gott ist tief, hat aber nichts mit einem Glaubenssystem zu tun. Sehen tun wir jeden Tag unendlich viel. Wahrnehmen ist etwas ganz anderes. Genau das durfte ich an diesem Tag auf der Sellamatt. Während ich dort sass, wurde mir bewusst, dass ich Tradition viele Jahre falsch interpretiert hatte. Für mich fühlte sie sich oft an wie: «Das war schon immer so.» Doch auf der Sellamatt durfte ich erkennen: Tradition ist Gemeinschaft. Tradition ist Miteinander. Tradition bedeutet, den anderen wahrzunehmen. Als ich vor zweieinhalb Jahren ins Toggenburg zog, hatte ich sofort dieses Gefühl: Ich bin zu Hause. An diesem Tag haben sich die letzten Puzzleteile zusammengefügt. Plötzlich ergab alles Sinn. Ich gelte zwar offiziell immer noch als Ausländerin. Aber ist Heimat wirklich das Land, in dem wir geboren wurden? Oder ist Heimat dort, wo unser Herz aufgeht? Für mich ist es die Schweiz. Für mich ist es das Toggenburg. Und genau dafür empfinde ich eine tiefe Dankbarkeit. Mir wurde noch etwas bewusst: Es spielt keine Rolle, wo wir geboren wurden. Wir sind verbunden. Ich stelle mir das manchmal vor wie einen Stein im Wasser. Ein Ring. Dann der zweite. Dann der dritte. Immer weiter. Alles ist miteinander verbunden. Genau so sind wir Menschen. Ich bin dankbar, diese Gedanken mit euch zu teilen. Vielleicht ist genau das mein Beitrag. Vielleicht ein neuer Gedanke. Vielleicht ein kleines Puzzleteil. Denn manchmal braucht es zwanzig Jahre, bis alles Sinn macht. Was wäre, wenn wir das Leben und die Menschen nicht nur sehen, sondern wieder lernen, wirklich wahrzunehmen?
Barbara Soreia Wojak
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