Anna-Catrina Walt
übernimmt neu das Präsidentenamt des Sportvereins Wildhaus - Alt St.Johann.
Gedanken aufs Papier gebracht: Barbara Soreia Wojak kommt an.
Was hat ein Recyclinghof mit dem wahren Leben zu tun? Mehr, als wir auf den ersten Blick denken: Ich stand kürzlich auf einem in der Nähe meines Wohnorts. Karton, alte Dinge, Zeug, das sich angesammelt hatte und nun gehen durfte. Dinge, die keinen Raum mehr in meinem Leben haben. Und ja – ein Recyclinghofkann für Frauen mit türkisfarbenen Haaren durchaus eine kleine Herausforderung sein. Doch genau dort, zwischen Containern, Staub und Alltagshektik, ist mir etwas sehr Schönes begegnet. Recycling ist im Grunde nichts anderes als eine Lebensmetapher. Entweder wir recyceln – das heisst: Wir verwandeln etwas, das wir nicht mehr brauchen, in etwas Neues. Transformation. Oder wir entledigen uns dessen, was uns nicht mehr dient. Und ich benutze dieses Wort ganz bewusst: entledigen.
Loslassen. Raum schaffen. Klar werden. Im echten Leben machen wir das viel zu selten. Wir horten. Gedanken. Muster. Gewohnheiten. Verletzungen. Geschichten. Und wundern uns dann, warum nichts Neues nachkommt. Dabei ist es so einfach: Ist der Raum voll, kann nichts Neues hinein. Unsere Wohnung ist ein Spiegel unseres inneren Systems. Unser Körper ebenso. Ordnung oder Chaos, Weite oder Überflutung – all das lässt sich ablesen,wenn man genau hinschaut. Nur mal so by the way.
Während ich versuche meinen Müll zu sortieren, kommt ein älterer, sehr freundlicher Herr auf mich zu und erklärt mir geduldig, wie das hier funktioniert. «Das müssen Sie erst wiegen», sagt er. Wiegen. Auch das ist eine Metapher. Wie schwer ist das, was du in deinem Leben nicht mehr brauchst? Wie viel Gewicht trägst du noch mit dir herum, obwohl es dir längst nicht mehr dient? Ich erledige alles, setze mich wieder ins Auto, um Platz zu machen.Recyclinghof – da geht es manchmal heiss her. Plötzlich klopft es an meiner Scheibe. Ich öffne die Tür. «Sind Sie nicht die Frau von der Zeitung, die schreibt?» Ich muss lachen. Ja. Die bin ich.Ich frage ihn, ob er meine Kolumne liest. «Manchmal überfliege ich sie», sagt er, «jeder hat ja etwas zu sagen.» Und ja. Jeder hat etwas zu sagen. Aber oft sagen wir nicht das, was wirklich gesagt werden will. Stattdessen regen wir uns auf. Über Kleinigkeiten. Und ist das wirklich wichtig? Bevor wir auseinandergehen, sage ich danke für seine Hilfe. Er lächelt und sagt: «Ich habe ein Motto. Jeden Tag eine gute Tat.»
Dieser Satz hat gesessen. Denn vielleicht haben wir genau das verlernt. Nicht die grossen Heldentaten. Sondern die kleinen, stillen Gesten. Für andere – und für uns selbst. Eine gute Tat für dich. Respektvoll mit dir umgehen. Aufräumen. Loslassen. Ehrlich sein. Und eine gute Tat für jemand anderen. Ein Lächeln. Ein Kompliment. Ein offenes Ohr. So entsteht Verbindung. Und ein Dominoeffekt, der sich von selbst fortsetzt.
Physik. Energie. Leben. Die kleinen Dinge verändern das Grosse. Und manchmal beginnt alles auf einem Recyclinghof. Was wäre, wenn du heute ganz bewusst eine gute Tat für dich tust – und eine für einen anderen Menschen?
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